Olampuy OM-D EM1 Nikon D700 back

Eine Frage des Suchers? DSLR oder spiegellose Systemkamera?

Keine leichte Frage, wenn man genau überlegt.

Es ist der Hauptunterschied, der MILC/ EVIL Systeme von klassischen DSLR-Systemen abgrenzt. Die komplette Mechanik des Spiegelkastens entfällt bei den spiegellosen Systemen. Somit gibt es an dieser Stelle auch ein mechanisches Konstrukt weniger, welches Probleme bereiten könnte.

Bei Aufnahmen, wo das Auge nicht am Sucher ist, kann es sein, dass bei der klassischen DSLR rückwärtig durch den Sucher einfallendes Licht zum Problem werden kann, wenn der Sucher nicht explizit abgedeckt wird. Das entfällt bei der Spiegelosen natürlich.

Für den optischen Eindruck hat beides Vor- und Nachteile. Und ob es überhaupt Vor- oder Nachteile sind, die ich hier beschreibe muss man mittlerweile selbst entscheiden, denn die technische Entwicklung bleibt nicht stehen.

Hier ist der direkte Vergleich zwischen Nikon D700 und Olympus OM-D E-M1. Welches ist welcher?

D700 E-M1 Sucher Vergleich
(links Nikon D700/ rechts Olympus OM-D E-M1)

Der Optische Sucher zeigt ein reales Bild.

OVF = OPTICAL VIEW FINDER

Man schaut durch den Sucher und der Blick wird durch ein Prisma/Spiegelsystem am Sensor vorbei durch das Objektiv gelenkt. Die „Auflösung“ ist phänomenal – so gut, wie man durch Glas eben sehen kann, eine zeitliche Verzögerung der Darstellung gibt es nicht.

Allerdings sind auch alle Zusatz-Anzeigen im Sucher begrenzt. Die Aufnahmedaten werden meist unten oder oben so kurz wie möglich angezeigt und Bildrahmen, Autofokuspunkte etc. werden über fest eingebaute Mattscheiben ins Bild eingeblendet.

Der Elektronische Sucher (EVF) zeigt das Bild so, wie der Sensor es aufnimmt.

EVF = ELEKTRONICAL VIEW FINDER

Nicht nur, dass der elektronische Sucher viel mehr und viel individuellere Einblendungen zulässt, er zeigt, wenn er nicht anderweitig eingestellt ist, das Bild so, wie der Sensor es aufnehmen würde. Das hat den riesen Vorteil, dass man schon vor dem Auslösen sieht, ob das Bild unter-, über- oder richtig belichtet wird.

Mögliche Einblendungen, welche auf Bedarf oft schnell umstellbar sind (je nachdem ob die Kamera das beherrscht):

  • Wasserwage
  • Gitter als Bildkompositionshilfe
  • Histogramme
  • nicht nur Haupteinstellungen, sondern auch Nebenparameter
  • über- und unterbelichtete Bildteile als Fläche
  • Lupen und Peaking als Fokushilfen
  • und einige mehr…

Peaking im Verbund mit der Lupe

Olympus OM-D E-M1 peaking

 

Dass das Ganze natürlich genau so gut über das Display machbar ist, muss ich vermutlich nicht erwähnen. Manchmal sind sowohl Sucher, als auch Display sogar klapp- und schwenkbar und ermöglichen so Bildkompositionen, die unter anderen Umständen umständlich, wenn nicht sogar eher zufällig wären. Der Sucher bietet aber bei Sonnenschein das konstanter abzulesende Bild und er bewirkt, dass, indem ihr die Kamera ans Gesicht presst, ihr eine leichte zusätzliche Stabilisation bekommt.

Eine Frage der Qualität – bei beiden Technologien

Wie gut euer optischer Sucher ist steht in den technischen Daten.

Die meisten kleineren DSLRs haben bedingt durch Bauart und Preisdruck einen sehr kleinen Sucher. Er ist oft nicht nur klein und damit gefühlt sehr dunkel, er ist auch oft „kastriert“. Er deckt nicht zu 100% das Bild ab, sondern nur zu 95% oder mit ähnlichen Werten. Es werden also Bildteile mit aufgenommen die gar nicht im Sucher zu sehen sind, obwohl sie eigentlich schon aus dem Bild raus sein sollten. Bei einer vernünftigen Komposition kann das ärgerlich sein.

Es gibt einen zweiten Wert, die Viewfinder magnification (Abbildungsmaßstab). 1.0× ist das, was wir mit unseren Augen sehen, auf die Normalbrennweite, meist 50mm, bezogen. Je kleiner der Wert wird, je kleiner ist das Sucherbild.

Oben gab es ein Sucherbild einer Nikon D700 sie hat den Wert 0.72×.
Die gute alte Nikon D90 hat einen Wert von 0.96×.
Damit könnte man meinen, die D90 hat ein größeres Bild. Aber das ist falsch gedacht.
Da die D90 einen APS-C-Sensor hat und dementsprechend einen 1,5× Crop zum Vollformat-Sensor der D700, muss der D90-Wert durch den Cropfaktor geteilt werden: 0.96×/1.5=0,64×.
Der Abbildungsmaßstab ist also kleiner als bei der der D700.
Eine aktuelle Nikon D5500 hat übrigens 0.85×/1,5 – also entsprechend 0,57×
Bei Canon und den anderen sieht das Bild bei den kleinen Modellen aber genau so trist aus.

Wie gut euer elektronischer Sucher ist steht auch in den technischen Daten.

Meist ist die Abdeckung (logisch) 100%. Ansonsten gibt es auch hier einen Abbildungsmaßstab der mit dem Cropfaktor verrechnet wird.

Als Beispiel von ganz oben: Die Olympus OM-D E-M1 hat eine Vergrößerung von 1,48×/2 was im Vergleich zur D700 fast gleichwertige, aber etwas bessere 0,74× entspricht. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt der Technik sehr gut und leider nicht Standard.

Von den Pixeln hat diese Kamera eine Sucherauflösung von 2,36 Millionen Pixeln. Die einzelnen Bildpunkte sieht man also nicht.

Es gibt noch einen wichtigen Wert. Dieser entspricht der Verzögerung zum Realbild, da das Bild erst einmal berechnet werden muss. Bei der erwähnten Olympus beträgt diese 0.029s. Wer das noch wahrnimmt ist kein Mensch. 😉
Aber auch hier ist es wieder ein sehr modernes Modell, welches sicherlich aus der Masse hervorsticht.

Aber klar, ein klein wenig mache ich das auch, um die ehemals berechtigten Vorurteile gegen EVFs abzubauen. Die Entwicklung geht weiter und man sollte sich immer mal wieder ein eigenes Bild machen, statt Jahrelang die gleichen Erkenntnisse herauszuposaunen. Ich bin positiv beeindruckt von der Entwicklung und vor allem der Geschwindigkeit mit der sie voran schreitet.

Die Frage, welchen oder gar ob ihr einen Sucher benötigt, könnt ihr euch also nur selbst beantworten.

Viele kommen Dank der immer besseren Displays auch ganz ohne Sucher aus. Ich persönlich habe ihn bei meinen ersten Schritten Abseits der DSLR-Fotografie schon sehr vermisst. Es hängt davon ab, was man kennt und wie man fotografiert.

Sagt der, der Selfies mit WLAN und Telefon macht.

remote Olympus OM-D E-M1

 

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